Mai 19, 2012

Die Umweltfragen und ihre Herausforderungen - Im Gespräch mit Dr. Gero Hocker, MdL Niedersachsen

gesprchDas Thema "Umwelt" rückt mehr und mehr in den Fokus der Öffentlichkeit und frauenmese.com hatte Gelegenheit, zu diesem Themenkreis mit Dr. Gero Hocker, MdL und Sprecher für Umwelt- und Klimaschutz der FDP im Niedersächsischen Landtag, ein Interview zu führen:

Frauenmesse: Herr Dr. Hocker, sie sind Wirtschaftswissenschaftler und haben bereits einige Jahre Ihres Berufslebens in großen Unternehmen gearbeitet. Was ist nach Ihrer Erkenntnis der wesentliche Unterschied zwischen der Arbeit in der Wirtschaft und in der Politik?

Dr. Gero Hocker:  Obwohl es in der Politik - insbesondere in der Umweltpolitik - häufig erforderlich ist, kurzfristig zu agieren und zu reagieren, dauern Entscheidungsprozesse häufig länger, als etwa in Wirtschaftsunternehmen. Die besondere Voraussetzung für erfolgreiche Politik ist es in meinen Augen, nicht nur die möglichst "besten" Entscheidungen zu treffen, sondern diese Entscheidungen auch zu erklären - betroffenen Bürgern, dem eigenen Koalitionspartner, Kolleginnen und Kollegen in der eigenen Fraktion und vor allem auch den eigenen Mitgliedern. Sozusagen in "alle Richtungen" zu kommunizieren ist eine große Herausforderung in der Politik, die auch ein großes persönliches Engagement erfordert.

Frauenmese: Derzeit beherrscht ein Thema die Medien und unser Land: `Der Euro und seine Rettung´.  Wie sehen Sie die Fragestellungen in diesem Zusammenhang, die auf die Landespolitik und hier insbesondere auf die Umweltpolitik zukommen?

Dr. Gero Hocker: Der Umwelt ist nicht damit gedient, dass Deutschland sozusagen als "Musterknabe" alleine die höchsten Standards und Umweltvorschriften durchsetzt, andere europäische Länder hier aber nicht mitziehen wollen. Weder eine Havarie in der Nordsee macht an Landesgrenzen halt, noch wäre es in einer globalisierten Welt denkbar, dass Umweltschutz alleine national erfolgen könnte. Wer nicht einheitliche Standards fordert, akzeptiert eine Ungleichbehandlung der verschiedenen Staaten und gewinnt nichts für unsere Umwelt.

Frauenmesse: Auch Niedersachsen ist von der Energiewende betroffen. Dieser Umbau stellt vor große Herausforderung. So soll verstärkt Stromerzeugung durch Windkraft stattfinden. Das Problem dabei ist die Speicherung dieser Energie. Sind hier bereits technische Lösungen in Sicht oder bis wann ist damit zu rechnen?

solarDr. Gero Hocker: Leider können wir uns nicht darauf verlassen, dass die Sonne scheint und der Wind weht, wenn Energie benötigt wird - diese beiden Erzeugungsformen können die sogenannte "Grundlast" leider noch nicht bedienen. Aus diesem Grunde müssen geeignete Speichertechnologien entwickelt werden, die es auch in Zukunft ermöglichen, dass Strom zu jederzeit verfügbar ist. Erfolgversprechende Projekte sind etwa Überlegungen zu unterirdischen Pumpspeicherkraftwerken oder auch Druckluftspeicher. Nach dem Beschluss zur beschleunigten Energiewende fallen Einnahmen aus der Brennelementesteuer zur Finanzierung derartiger Forschungen weg - um so wichtiger wird es sein, möglichst kurzfristig Speichertechnologien zu entwickeln, die die Industrie und die privaten Haushalte in Deutschland unabhängig machen von Windstärken und Sonnenstunden.

Frauenmesse: Eines Ihrer früheren Praktika hat Sie auch nach China geführt. Wie sehen Sie die Entwicklung in diesem Land im Bereich der Umweltfragen?

Dr. Gero Hocker: Wenn man den Energiehunger gerade Indiens und Chinas und die CO2-Ausstösse dieser beiden Länder betrachtet, stellt man sich schon die Frage, ob die Bemühungen insbesondere Deutschlands zur Erreichung der sogenannten Klimaschutzziele überhaupt irgend einen Unterschied machen. Hier gilt das gleiche wie im europäischen Kontext: Umweltverschmutzungen machen nicht an Landesgrenzen halt - das gilt für die Meere, unsere Luft und unsere Flüsse. Deswegen bedarf der Umweltschutz in der Zukunft vielmehr europäischer und sogar globaler Antworten - Deutschland alleine wird die Natur nicht schützen können, deswegen müssen alle an einem Strang ziehen.

Frauenmesse: Herr Dr. Hocker, ich bedanke mich für Ihre Zeit für unser Interview und für die informativen Einblicke in Ihre Arbeit.

Weiter Informationen zu Herrn Dr. Hocker finden Sie hier: www.gero-hocker.de

Image: worradmu / FreeDigitalPhotos.net



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